SHK-Insider-Wissen: Was ist der automatische hydraulische Abgleich?

Sonntag, April 19, 2020

Varianten des hydraulischen Abgleichs – Teil 3: Automatischer hydraulischer Abgleich

Im dritten Teil unserer Serie „SHK-Insider-Wissen“ kommen wir jetzt zur letzten der drei möglichen Abgleichvarianten: dem automatischen hydraulischen Abgleich. Er kann eine Ergänzung oder alternative Umsetzung zum statischen bzw, dynamischen Abgleichs sein. Automatiklösungen setzen mithilfe einer intelligenten digitalen Systemsteuerung einen im Idealfall vollständigen hydraulischen Abgleich ohne aufwändige Vorberechnungen um. Danfoss Lösung ist für Anlagen mit bis zu 20 Heizkörpern bzw. Heizkreisen, also vornehmlich für Ein- und Zweifamilienhäuser geeignet.

Automatischer Hydraulischer Abgleich Bild

Der hydraulische Abgleich ist unter Fachleuten seit langem als wichtigste Maßnahme zur Heizanlagenoptimierung bekannt – und doch fallen eindeutige Definitionen seiner einzelnen Varianten noch immer schwer. Um hier Klarheit zu schaffen, haben wir uns im ersten und zweiten Teil unserer Serie „SHK-Insider-Wissen“ bereits mit dem statischen und dynamischen Abgleich beschäftigt. Das meiste Kopfzerbrechen bereitet jedoch nach wie vor der automatische hydraulische Abgleich, denn dieser Begriff wird besonders uneinheitlich verwendet – höchste Zeit also, uns auch dieses Konzept einmal genauer anzuschauen.


Was ist der automatische hydraulische Abgleich?

Strenggenommen ist der automatische Abgleich gar keine eigenständige Abgleichvariante, sondern eher eine Ergänzung bzw. alternative Umsetzung des statischen und dynamischen Abgleichs. Die Berechnung und Einstellung der Massenströme erfolgt dabei – wie der Name indiziert – über eine Automatik (oder genauer: über eine intelligente digitale Systemsteuerung). Diese passt die Verteilung des Wasserflusses im gesamten Heizkörpersystem an und sorgt dafür, dass stets zur richtigen Zeit und am richtigen Ort die richtige Wassermenge zur Verfügung steht.

Wie funktioniert der automatische Abgleich?

Zentrale Regelungsgröße des automatischen Abgleichs ist die Raumtemperatur. Das intelligente Steuerungssystem erfasst, bei welchen Massenströmen die vorgesehene Raumtemperatur erreicht wird und passt den Durchfluss entsprechend an. Wird die Automatik mit einem dynamischen Abgleich verknüpft, optimiert die temperaturbasierte Steuerung auch den Betrieb der druckunabhängigen Armaturen und ermöglicht im Voll- und Teillastfall eine optimale Massenstromregulierung. Die Auslegung erfolgt prinzipbedingt für den Teillastfall.   

Welche Vorteile bietet der automatische Abgleich?

Aufwendige Kalkulationen sorgen beim Techniker meist für wenig Begeisterung und erzielen aufgrund unbekannter Parameter oftmals nur ungenaue Ergebnisse – automatisierte Abgleichkonzepte ersparen diese Vorberechnungen und ermöglichen dadurch auch in schlecht dokumentierten Bestandsanlagen einen förderfähigen hydraulischen Abgleich. Der größte Vorteil dabei: Die Automatik berechnet die Massenströme nicht nur einmalig, sondern permanent, sodass die Einstellungen regelmäßig nachjustiert werden. Durch die temperaturbasierte Steuerung können so selbst stark schwankende Betriebsparameter und die unvorhersehbare Anlagendynamik mit einbezogen werden. Zudem ermöglicht die einfache Inbetriebnahme eine zeitsparende und unkomplizierte Heizungssanierung.

Entfallen Berechnungen vollständig?

Ein zuverlässiger hydraulischer Abgleich könnte mit neusten Automatiklösungen zwar ohne jede Vorberechnung durchgeführt werden – die besten Ergebnisse werden allerdings erzielt, wenn man Automatik und Kalkulation verbindet. Dazu werden zunächst die Massenströme nach Verfahren A oder B des VdZ-Bestätigungsformulars berechnet. Auf dieser Basis übernimmt anschließend die Automatik die Feinabstimmung des Systems und ermöglicht dabei eine einzelraumbezogene Präzision, die sich derzeit mit keiner anderen Abgleichlösung erzielen lässt.  

Für wen lohnt sich der automatische Abgleich?

Grundsätzlich sollte erst entschieden werden, welche Abgleichvariante – statisch oder dynamisch – für die jeweilige Anlage sinnvoll ist, da die Automatik beide Konzepte ergänzt bzw. alternativ umsetzt. So erzielt etwa bei Fußbodenheizungen im Bestand aufgrund der Trägheit des Systems ein statischer Vorabgleich in Verbindung mit einer automatischen Durchflussregelung auf Basis der Raumtemperatur die besten Ergebnisse. Die erforderlichen Komponenten hierfür sind leicht nachzurüsten. Bei Heizkörper-Systemen hingegen bietet in Neubau und Bestand die Verbindung von dynamischem Abgleich und Automatik das größte Optimierungspotenzial. Diese Lösung bildet insbesondere ein wechselndes Nutzerverhalten optimal ab. In großdimensionierten Anlagen mit mehr als 20 Heizkörpern oder Heizkreisen müssen immer druckunabhängige Armaturen an den Heizkörpern bzw. in den Strängen eingesetzt werden, da sonst keine zuverlässige Funktion der temperaturbasierten automatischen Steuerung gewährleistet werden kann.  

Welche Komponenten sind geeignet?

Mit TÜV-zertifizierten Smart Heating Systemen wie Danfoss Eco, Danfoss Link (für Heizkörperanlagen) oder Danfoss Icon (für Fußbodenheizungen) stehen leistungsstarke Lösungen für den automatischen Abgleich zur Verfügung. Zusätzlich werden statt manueller Thermostate elektronische Thermostate bzw. Regeleinheiten eingesetzt

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